Verkürzte Wartezeiten durch geändertes Sprechstundenangebot?

Mit Inkrafttreten des TSVG wurde die Mindestsprechstundenzahl von 20 auf 25 Wochenstunden erhöht. Zeiten für Haus- und Pflegeheimbesuche werden angerechnet. Außerdem sind Facharztgruppen, die die sog. grundversorgende und wohnortnahe Versorgung sicherstellen (z.B. konservativ tätige Augenärzte, Gynäkologen und HNO­Ärzte), ab dem 1. September zu offenen Sprechstunden verpflichtet. Fünf der 25 Wochensprechstunden müssen ohne Terminvereinbarung angeboten werden. Durch eine extrabudgetäre Vergütung werden für Vertragsärzte finanzielle Anreize geschaffen. Bei reduzierten Versorgungsaufträgen gelten die Änderungen anteilig.

Wie auch bisher, muss die Einhaltung der Sprechstundenvorgaben durch die KVen kontrolliert werden. Hierzu wird ein Abgleich zwischen den Abrechnungsdaten und den Angaben zum Zeitaufwand im EBM vorgenommen. Werden die Mindestsprechstunden in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen unterschritten, ergeht ein Hinweis. Können Ärzte die Unterschreitungen nicht rechtfertigen oder kommen einer gesetzten Frist zur Erhöhung der Sprechstundenzahl bzw. Reduzierung des Versorgungsauftrags nicht nach, drohen Vergütungskürzungen; bei erneuten Verstößen kommt es im schlimmsten Fall zur anteiligen Zulassungsentziehung.

Trotz Inkrafttretens des TSVG sind wichtige Punkte noch offen: Für die Kontrolle der Sprechstundenzeiten sind einheitliche Prüfkriterien festzulegen. Die zu offenen Sprechstunden verpflichteten Facharztgruppen müssen durch KBV und GKV­Spitzenverband noch bestimmt werden. Auch ist unklar, wie die extrabudgetär zu vergütenden Leistungen bei der Abrechnung zu kennzeichnen sind.

Für Vertragsärzte ist vorerst wichtig, die Mindestsprechstundenzahl zu gewährleisten. Zur Kontrolle kann anhand der Abrechnungsdaten die durchschnittliche Wochenarbeitszeit ermittelt werden.

 

LIV HEEGER