Psychotherapie ohne persönlichen Kontakt?

 

Aufgrund der aktuellen Pandemie mit SARS-CoV-2 wird empfohlen, dass Patienten nach Möglichkeit nur in medizinisch dringenden Fällen die ärztlichen und psychotherapeutischen Praxen aufsuchen. Die Aussetzung einer psychotherapeutischen Behandlung auf unbestimmte Zeit ist allerdings in vielen Fällen nicht möglich, gerade im Hinblick auf die weiteren psychischen Belastungen durch die zur Bekämpfung der Pandemie erforderliche soziale Isolation sowie durch Ängste, sich mit dem Virus zu infizieren.

 

Eine Möglichkeit, die Behandlung ohne persönlichen Kontakt fortzuführen, bietet die Videosprechstunde. Im Hinblick auf die Ausnahmesituation haben KBV und GKV-Spitzenverband ganz aktuell die Kontingentierung der Leistungen, die via Videosprechstunde erbracht werden dürfen, - zunächst für das Quartal II/2020 – aufgehoben.
https://www.kbv.de/html/1150_44943.php . Die Videosprechstunde muss über einen zertifizierten Videodienstleister erfolgen.

 

Am 23. März haben sich die KBV und der GKV-Spitzenverband auf weitere Sonderregelungen zur Anwendung von Psychotherapie in der vertragsärztlichen Versorgung aufgrund von SARS-CoV-2 geeinigt.

 

Bis zum 30.6.2020 sind danach Ausnahmen von dem Grundsatz möglich, dass Eingangsdiagnostik, Indikationsstellung und Aufklärung sowie probatorische Sitzungen und die Psychotherapeutische Sprechstunde eines unmittelbaren persönlichen Kontaktes bedürfen. Diese Leistungen können jetzt als Videosprechstunde erbracht und abgerechnet werden. Außerdem können genehmigte Gruppentherapien ohne gesonderte Antragstellung als Einzelbehandlung durchgeführt werden. Die Vereinbarung finden Sie hier:
https://www.kbv.de/media/sp/2020_03_23_PT_Vereinbarung_Zusatz_Covid_19.pdf

 

Allerdings verfügen nicht alle Patienten über die technischen Voraussetzungen zur Nutzung der Videosprechstunde. Dann stellt sich die Frage, ob gewisse Leistungen auch anderweitig, z.B. über einen telefonischen Kontakt erbracht werden dürfen. Da die Leistungsbeschreibungen einiger psychotherapeutischer Leistungen keinen persönlichen Kontakt vorsehen, ist dies nach dem EBM nicht ausgeschlossen. Die Vorgaben der Psychotherapie-Richtlinie sowie der Psychotherapie-Vereinbarung müssen natürlich eingehalten werden, ebenso wie berufsrechtliche Voraussetzungen. Gerne beraten wir Sie dazu, welche Leistungen unter welchen Voraussetzungen erbracht werden dürfen.

 

Versorgungsauftrag/Praxisschließung

 

Wer zur Versorgung der GKV-Patienten zugelassen oder ermächtigt ist, den trifft eine Versorgungsverpflichtung. Die Zulassungsverordnung, der Bundesmantelvertrag und das SGB V selbst umschreiben und konkretisieren den Versorgungsauftrag sowohl inhaltlich als auch zeitlich; selbst bei eigener Krankheit des Therapeuten dürfen Praxisschließungen nur vorrübergehend erfolgen. Vor diesem Hintergrund sollte längere Praxisschließungen zum Eigenschutz nur erwogen werden, wenn aufgrund von Vorerkrankungen ein besonderes persönliches Risiko besteht. Da niemand derzeit absehen kann, wie lange solche Schließungen erforderlich wären, muss im Einzelfall in einer solchen Situation auch erwogen werden, einen Antrag auf Ruhen der Zulassung zu stellen.

 

Sofern eine Praxisschließung behördlich angeordnet wird, haben Praxisinhaber und Angestellte einen Anspruch auf Entschädigung nach dem Infektionsschutzgesetz. Eine Liste der dafür zuständigen Behörden finden Sie hier:

https://www.kbv.de/media/sp/Liste_Coronavirus_Entschaedigung.pdf

 

Umsatzeinbußen

 

Niedergelassene Psychotherapeuten können mit Ausgleichszahlungen für Umsatzeinbußen rechnen. Am 27.3.2020 wurde im Bundesgesetzblatt ein „Gesetz zum Ausgleich COVID-19 bedingter finanzieller Belastungen der Krankenhäuser und weiterer Gesundheitseinrichtungen“ (COVID-19 -Krankenhausentlastungsgesetz) veröffentlicht, wonach bei Umsatzeinbußen von 10%, sofern diese durch einen Fallzahlrückgang in Folge einer Pandemie begründet sind, die Kassenärztlichen Vereinigungen Ausgleichszahlungen leisten können. Solche Ausgleichszahlungen müssten der KV von den Kassen zeitnah erstattet werden. Allerdings soll sich derzeit der Ausgleichsanspruch nur auf Leistungen beziehen, die außerhalb der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung von den Krankenkassen gezahlt werden. Hinsichtlich dieser gravierenden Einschränkung des Ausgleichsanspruchs wird in politischen Gesprächen auf Änderungen gedrängt.

https://www.bgbl.de/xaver/bgbl/start.xav?startbk=Bundesanzeiger_BGBl&jumpTo=bgbl120s0580.pdf#__bgbl__%2F%2F*%5B%40attr_id%3D%27bgbl120s0580.pdf%27%5D__1585657569108

 

Daneben hat die Bundesregierung ein Soforthilfe-Programm für Freiberufler, Soloselbständige und Kleinunternehmer eingerichtet, welches auch für die meisten Praxisinhaber relevant sein dürfte. Durch Zuschüsse sollen akute Liquiditätsengpässe überbrückt werden. Praxisinhaber mit bis zu 5 Beschäftigten können bis zu €9.000,00 erhalten. Eckpunkte zu diesem Programm finden Sie hier:

https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Pressemitteilungen/Finanzpolitik/2020/03/2020-03-23-pm-Soforthilfefond-download.pdf?__blob=publicationFile&v=2

 

Der Bundesverband der Freien Berufe informiert hier über weitere, länderspezifische Hilfsangebote:

https://www.freie-berufe.de/wordpress/wp-content/uploads/2020/03/200326_Freiberufler_Uebersicht_bundesweit_landesweit.pdf

 

 

Allgemeine Hygieneempfehlungen in der Psychotherapeutischen Praxis

 

Die BPtK gibt in ihrer Praxis-Info „Coronavirus“ folgende Hinweise:

 

  • Verzichten Sie auf das Hände-Schütteln
  •  Bringen Sie einen Aushang in Ihrer Praxis an, in dem Sie Patient*innen empfehlen, vor der Behandlung ihre Hände zu waschen oder zu desinfizieren
  • Lüften Sie zwischen zwei Behandlungen das Behandlungszimmer
  • Als Psychotherapeut*in treffen Sie in Ihrer Praxis täglich mit vielen Menschen zusammen, auf die Sie das Virus übertragen könnten. Vermeiden Sie deshalb den Besuch von Großveranstaltungen sowie Reisen in öffentlichen Verkehrsmitteln, die nicht notwendig sind.
  • Informieren Sie sich regelmäßig über die aktuell geltenden Sicherheitsempfehlungen. Die BPtK empfiehlt, den Leitfaden Hygieneregeln für die psychotherapeutische Praxis zu beachten, der auf der Homepage der Kassenärztlichen Bundesvereinigung zu finden ist.
  • Klären Sie möglichst mit jeder Patient*in vor jedem Termin, ob sie Erkältungssymptome hat, ob sie Kontakt mit einer Person hatte, die am Coronavirus erkrankt ist, oder sich in einem Risikogebiet aufgehalten hat. Besprechen Sie mit jeder Patient*in, ob die Behandlung in der Praxis stattfinden kann oder ob sie per Videotelefonat oder später durchgeführt werden kann. Diese Abwägung muss im Einzelfall getroffen werden und die Dringlichkeit der Behandlung berücksichtigen

https://www.bptk.de/wp-content/uploads/2020/03/20200323_Praxis-Info_Coronavirus.pdf